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Burnout bei Lehrern

Lehrerinnen und Lehrer stehen im Spannungsfeld zwischen eigenem Anspruch, den Erwartungen der Schulleitung, den Vorgaben des Ministeriums, Wünschen der Eltern und natürlich der Schülerschaft. Nur in weniger Berufsfeldern ist die Wahrscheinlichkeit, einen Burnout zu bekommen größer, als bei Lehrern. Ich bin selbst seit 20 Jahren im aktiven Schuldienst tätig und kenne daher den Schul- und Lehreralltag. Ich kenne den Zustand, immer erreichbar, ansprechbar und fokussiert zu sein – ohne Rückzugort, ohne Büro, ohne echte Pause: In den Pausen warten dringende Elterntelefonate, der Fachbereichsleiter möchte schnell etwas klären, eine Schülerin steht mit Bauchschmerzen vor dem Lehrerzimmer, Kollegen brauchen rasch eine Unterschrift oder schnell ein Konzept für die Exkursion. Dazwischen gibt es wenig Zeit zum Durchschnaufen. Schülerinnen und Schüler zeigen immer häufiger psychosoziale Auffälligkeiten, sind laut; viele halten sich nicht an Regeln. Geht es Ihnen ähnlich?

Wie sah Ihre Vision aus?

Nach einigen Jahren Lehrerdasein weiß man „wie der Laden läuft“: Metaplankärtchen, Gruppenarbeit und andere gute pädagogische Unterrichtskonzepte sind bereits in der Schublade verschwunden. Es beginnt damit, dass einige Schüler/innen zu spät kommen und man einen Tadel aussprechen müsste oder bei Wiederholung ein Gespräch mit der Schulleitung anberaumen müsste. Da dies wiederum Zeit und Energie kostet, lassen viele Kollegen die Zuspätkommenden gewähren und sind froh, wenn ein Drittel die Hausaufgaben hat. Da werden Bücher, Mappen und Taschenrechner vergessen und in der Lehrerkonferenz erzählt die Schulleitung, dass es wieder Neuheiten gibt, vom didaktischen Jahresplan, neuen Richtlinien und neuen Konzepten, die mal eben schnell geplant werden müssen. Dabei hatte man sich das alles so anders vorgestellt. Die eigene Vorstellung trifft hart auf Realität. Von aggressiven Schülern, beleidigenden Dialogen oder Anfeindungen zwischen Lehrern und Schülern ganz abgesehen. Computergestützter Unterricht wird erschwert durch hohe Ausfallraten von Lehrer-PCs, der Beamer hat keinen Ton, die Schüler haben ihre Passwörter vergessen oder der Akku vom Notepad ist leer. Um alles müssen sich Lehrer zwischendurch kümmern.

Was ist Burnout?

Burnout ist ein Zustand emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung, der oft auf langfristigen Stress zurückzuführen ist. Bei Lehrern kann Burnout entstehen, wenn sie überlastet sind, hohe Arbeitsbelastung, chronischen Stress und mangelnde Ressourcen erfahren. Es ist wichtig zu verstehen, dass Burnout nicht einfach eine vorübergehende Müdigkeit ist, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die professionelle Hilfe erfordern kann.

Symptome von Burnout

Burnout äußert sich durch verschiedene Symptome, die auf unterschiedliche Bereiche des Lebens Auswirkungen haben. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  1. Erschöpfung und Müdigkeit, trotz ausreichender Ruhephasen.
  2. Verlust des Interesses und der Motivation für den Beruf, den man einst mit Leidenschaft gewählt hat.
  3. Emotionale Erschöpfung, die sich durch Reizbarkeit (gegen Schüler, aber später auch im persönlichen Umfeld) und Stimmungsschwankungen manifestieren kann.
  4. Sozialer Rückzug und Isolation von Kollegen, Freunden und später auch der Familie.
  5. Verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.
  6. Weniger Lust auf Unterricht und Unterrichtsvorbereitung.

Wie kann sich noch ein drohender oder bereits bestehender Burnout bei Lehrern äußern

  • Der Gedanke an „Montag“ sorgt für Unruhe, Stress oder Angst
  • Spezielle Schüler machen Angst
  • Man geht häufiger aus dem laufenden Unterricht heraus
  • Durch „Verzettelung“ und Verwirrung vergisst man wesentliche Aufgaben
  • Weinen zu Hause, weil alles zu viel ist
  • Sie trinken Alkohol oder benötigen andere Substanzen, um mit dem Schulalltag klarzukommen
  • Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit

Tipps gegen drohenden Burnout beim Lehrpersonal

  1. Schaffen Sie eine ausgewogene Work-Life-Balance: Setzen Sie klare Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Planen Sie bewusst Zeit für Erholung, Hobbys und soziale Aktivitäten ein, um sich vom Schulalltag zu erholen.
  2. Identifizieren Sie Stressoren und bewältigen Sie diese: Machen Sie sich bewusst, welche Aspekte Ihres Berufs besonders belastend sind, und suchen Sie nach gesunden Bewältigungsstrategien. Dies könnte beispielsweise das Delegieren von Aufgaben, das Priorisieren von Aufgaben oder das Erlernen effektiver Zeitmanagement-Techniken beinhalten.
  3. Besprechen Sie konkrete Probleme mit der Schulleitung. Wenn diese für solche Dinge nicht „erreichbar“ ist, wenden Sie sich an der Lehrerrat oder die Gewerkschaft.
  4. Pflegen Sie Ihre körperliche Gesundheit: Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf sind essenziell für Ihre körperliche und seelische Gesundheit. Achten Sie darauf, genügend Ruhepausen einzulegen und gönnen Sie sich regelmäßige Erholung.
  5. Finden Sie Unterstützung im Kollegium: Kollegen können eine wertvolle Quelle der Unterstützung sein, da sie ähnliche Herausforderungen erleben. Suchen Sie den Austausch mit anderen Lehrkräften, teilen Sie Ihre Erfahrungen und unterstützen Sie sich gegenseitig.
  6. Selbstreflexion und Achtsamkeit: Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, um über Ihre eigenen Bedürfnisse und Emotionen nachzudenken. Praktizieren Sie Achtsamkeitstechniken wie Meditation oder Tagebuchschreiben, um sich selbst besser kennenzulernen und Ihren Geist zu beruhigen.
  7. Setzen Sie realistische Erwartungen: Akzeptieren Sie, dass Sie nicht alles perfekt erledigen können und dass Sie keine perfekte Lehrerin und kein perfekter Lehrer sein können
  8. Bitten Sie Kollegen, mit in Ihren Unterricht zu kommen. Bitten Sie um Unterstützung, wenn Sie mit bestimmten Schülerinnen und Schülern nicht klarkommen.

Schrauben Sie in jeder Hinsicht Ihrer Erwartungen an sich und Ihre Lehrerrolle zurück. Auch Stunden, in denen „stur“ Aufgaben gelöst, gerechnet oder geschrieben werden, sind in Ordnung. Suchen Sie sich Auszeiten in Ihren Hobbys, in Familie und Freizeit. Wenn Sie aber merken, dass Sie lustloser und sarkastischer werden, somatische Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Atemnot verspüren, Ängste entwickeln und eine tiefe Frustration und Hilflosigkeit eintritt, suchen Sie sich Hilfe.

Ich kann Ihnen im Rahmen meine Angebote Wege zeigen, wie Sie gelassener, selbstbewusster und mutiger werden und Ihren Wert als Lehrer und Kollege stärken. Wenn Sie Fragen zur Therapie und Behandlung haben, melden Sie sich gerne über das Kontaktformular.

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