Frau, die Dissoziiert

Dissoziation

Dissoziationen sind eine Schutzreaktion des Gehirns, die auftauchen, wenn es eine Überforderung aller Überlebensmechanismen gibt. In diesem Blogartikel möchte ich mehr Klarheit über Dissoziationen liefern.

Typische Symptome von Dissoziationen

  • Gefühl der Entfremdung: Manchmal ist es, als ob man neben sich steht, nicht wirklich im eigenen Körper.
  • Gedächtnislücken: Es können Momente sein, an die man sich nicht erinnert, als wäre da ein kleines Loch im Gedächtnis, manche nennen es Zeitgitterstörungen
  • Depersonalisation: So ein bisschen wie sich selbst von außen beobachten, als wäre man in einem Film.
  • Derealisation: Die Umgebung erscheint plötzlich irgendwie unwirklich oder fremd.
  • Zeitverzerrung: Manchmal vergeht die Zeit viel zu schnell oder bleibt wie stehen.

Bei jedem Menschen wirkt also eine Dissoziation anders. Aber warum kommt es überhaupt zu solchen Zuständen und warum kommen sie in Situationen, die augenscheinlich ruhig und ungefährlich sind. Eine Dissoziation ist eine Art Notfallprogramm im Gehirn, das automatisch und unwillkürlich entsteht, wenn man sich in einem Zustand von großer Not, Hilflosigkeit und Verstörung befindet. Der Körper reagiert auf extreme Situationen mit Kampf, Flucht oder Totstellen. Hilft das nicht oder hat Ihr Organismus keine Ressourcen mehr frei, gibt es dieses Notfallprogramm im Gehirn. Man „entflüchtet“ quasi aus der momentanen Situation durch eine Art Shut-Down. Solche Zustände dauern Minuten bis Stunden. Sie können an einigen oder mehreren Tagen pro Monat, aber auch jahrelang andauern, je nachdem, wie man die auslösende Situation verarbeitet hat.

Häufige Störungen, bei denen es zu Dissoziationen kommen kann

  • Posttraumatische Belastungsstörung: Menschen, die durch schwere Zeiten gegangen sind (Gewalt, subtile Ablehnung, sexuelle Übergriffe, Unfälle, Mobbing)
  • Dissoziative Identitätsstörung (DIS): Hier gibt es verschiedene „Teile“ der Persönlichkeit, die manchmal mehr, manchmal weniger präsent sind
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Wechselnde Gefühle und schwierige Beziehungen können solche Momente auslösen.

Was kann man als Betroffener selbst sofort tun?

Erster Schritt: Kommen Sie in Bewegung. Springen, dehnen, aufstehen und herumlaufen.

Achtsamkeit ist das Zauberwort. Versuchen Sie, im Hier und Jetzt zu sein. Tiefes, gleichmäßiges Atmen kann die Verbindung zur Realität bestärken. Benennen Sie spontan 3 Dinge im Raum, die grün, weiß, grau sind, was riechen Sie, was hören Sie.

Schaffen Sie beruhigende Rituale, die Ihnen guttun.

Ein Tagebuch kann hilfreich sein, in dem Sie Gedanken und Gefühle festhalten.

Wie kann ein Therapeut helfen?

Vor allem ist ein vertrauensvoller Ort nötig, in dem sich Betroffene sicher, wohl und verstanden fühlen. Vertrauen ist nötig, um sich zuzutrauen, über die Erlebnisse zu sprechen. Das Tempo entscheiden Sie.

Da Dissoziationen üblicherweise mit einer Grundstörung (meist PTBS) auftreten, ist die Therapie entsprechend. In meiner Praxis arbeite ich mit Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie, insbesondere der narrativen und imaginativen Expositionstherapie. Durch Gespräche über Erlebnisse in der Vergangenheit und dem Gewahrwerden der Realität im Hier und Jetzt (Pendeln) werden abgespaltene Informationen und Emotionen afferent und dissoziative Verhaltensweisen verändern sich.