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Entwicklungstrauma und Scham

Ich mache in der Praxis immer wieder die Erfahrung, dass Scham ein häufiges Symptom ist. Im Verlauf dieses Artikels werden wir das Zusammenspiel zwischen Entwicklungstrauma und Schamgefühlen beleuchten und wie die Anwendung von emotionsfokussierten Methoden eine lebensverändernde Option darstellt, um Schamgefühle zu reduzieren.


Entwicklungstrauma und Scham

Entwicklungstrauma können als Folge von negativen Erfahrungen oder Vernachlässigung in der Kindheit auftreten. Solche Erfahrungen können in Form von physischem, emotionalem oder subtilen Missbrauch oder Vernachlässigung auftreten (innerhalb und außerhalb der Familie) oder wenn Eltern selbst psychisch auffällig sind. Wenn Kinder nicht wahrgenommen werden, denken, die Harmonie innerhalb der Familie läge in ihrer Verantwortung, von Mitschülern gemobbt werden, wird sich sehr wahrscheinlich Scham entwickeln. Scham ist eine mächtige Emotion, die sich als ein Gefühl der Wertlosigkeit und Unzulänglichkeit äußert.

Emotionsfokussierte Wege zur Reduzierung von Schamgefühlen

Emotionsfokussierte Therapiemethoden konzentrieren sich auf die Erkennung, das Verständnis und die Regulierung von Emotionen. Es gibt mittlerweile mehrere emotionsfokussierte Methoden und Techniken, wie ACT, Fokussing, Somatic Experiencing. Nachfolgende verwende ich den Begriff EFT stellvertretend für die meisten emotionsfokussierten und körperorientierten Methoden.

  1. Achtsamkeit

Der erste Schritt bei der Anwendung von EFT besteht darin, ein bewusstes Verständnis für die eigenen Emotionen zu entwickeln. Dies ist von besonderer Bedeutung, da viele Menschen, die Entwicklungstrauma erlebt haben, Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu benennen und damit umzugehen. Die bewusste Wahrnehmung von Schamgefühlen ermöglicht es den Betroffenen, sie zu erkennen und ihre Auswirkungen auf ihr Verhalten zu verstehen.

  1. Emotionsregulation

EFT trägt dazu bei, Wege zur Regulierung von Schamgefühlen zu finden. Dies beinhaltet die Anerkennung und Akzeptanz der eigenen Emotionen, ohne sich selbst zu verurteilen. Eine gesunde Emotionsregulation ermöglicht den Betroffenen, konstruktive Wege zur Bewältigung von Scham zu finden, anstelle in destruktiven Verhaltensmustern gefangen zu sein.

  1. Empathische Kommunikation

EFT fördert einfühlsame Kommunikation, sowohl mit sich selbst als auch mit anderen. Man kann vereinfacht sagen: Innerhalb einer EFT-basierten Therapie sollte weniger geredet und mehr gefühlt werden.

  1. Neue Bindungsmuster

Entwicklungstrauma kann problematische Bindungsmuster schaffen. EFT hilft den Betroffenen dabei, diese Muster zu identifizieren und gesündere Beziehungsstrategien zu entwickeln.


Abschließende Gedanken

Die Bewältigung von Entwicklungstrauma und Schamgefühlen erfordert Zeit, Geduld und professionelle Unterstützung. Emotionsfokussierte Methoden bieten eine vielversprechende Möglichkeit, diesen anspruchsvollen Prozess zu bewältigen. Durch die Steigerung des Emotionsbewusstseins, die Regulation von Schamgefühlen und die Entwicklung gesunder Bindungsmuster können Menschen mit Entwicklungstrauma erhebliche Fortschritte bei ihrer Heilung erzielen.