Sich Abgrenzen können

Was bedeutet "sich nicht Abgrenzen können?"

Sich Abgrenzen können bedeutet, die Probleme anderer nicht so nah an sich selbst heran zulassen. Dafür ist ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Autonomie erforderlich.

 

Menschen, die sich schlecht abgrenzen können, empfinden dabei große Anstrengung. Das ist verständlich, denn Sie machen sich selbst für das Befinden des anderen verantwortlich und binden sich dadurch an ihn - und den anderen damit an sich. Es entstehen Abhängigkeiten und Co-Abhängigkeiten.

 

Eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt, um fremde Wünsche zu erfüllen. Teilweise wird Scham und Schuld empfunden, sich zu sehr mit eigenen Themen zu befassen, da man vermeintlich die anderen im Stich lässt und egoistisch ist. Egoismus ist für Personen, die sich schlecht abgrenzen können aus diesen Gründen eine sehr negative Eigenschaft, die abgelehnt wird. Hier offenbart sich ein wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie: Der Aufbau eines gesunden Egoismus.

 

Warum kann ich mich nicht gut abgrenzen?

Wenn Sie von behaupten, sich schlecht Abgrenzen zu können, liegen die Ursachen hierfür in der Kindheit und Ihrer Entwicklung innerhalb Ihrer Familie.

In Familien, in denen ein Elternteil schwach, krank, depressiv ist und das andere Elternteil dominant, diktatorisch, emotionslos ist, geraten Kinder in die Rolle des Bewachers und Helfenden für den schwächeren Elternteil.

 

Neben dem Ausführen praktischer Handlungen zur Aufrechterhaltung des Familienbetriebes können sich vielseitige emotionale Abhängigkeiten entwickeln. Hier sei stellvertretend die Verantwortlichkeit genannt. Durch das "falsche"  Verantwortlichkeitsgefühl des Kindes steckt es eigene Bedürfnisse zurück. Diese Eigenschaft wird oft bis ins Erwachsenenalter beibehalten.

 

Neben praktischen Handlungen kann sich eine emotionale Abhängigkeit zum schwächeren Elternteil entwickeln. Sie verteidigen Ihre Familie nach Außen, nichts von Ihrem Kummer, der Lieblosigkeit, der Angst vor dem dominanten Elternteil soll jemand erfahren. Selbstverständlich schützen Sie Ihr kleines Selbstbild. Wehe, ein Fremder beleidigt Ihre Familie, dann agieren Sie emotionsgeladen. Dennoch wird alles getan, damit das "kranke" Familiensystem künstlich am Leben erhalten wird. 

Steht eine Scheidung im Vordergrund gerät ein Kind in noch größere Konflikte. Es will kein Familienmitglied bevorzugen, weil es gedanklich durch eine Entscheidung für jemanden gegen den anderen Elternteil wäre. Ein Kind kann noch nicht Differenzieren. Die Angst vor dieser unlösbaren Entscheidung erzeugt Gewissenskonflikte und Schuldgefühle.

 

In den meisten Fällen kommen Kinder zum Ergebnis, dass Sie nicht richtig sind, so - wie sie sind. 

 

Das oben beschriebene Reaktionsmuster orientiert sich an übertriebener Anpassung.

Eine gegenteilige Reaktion wäre oppositionelles Verhalten . Nicht selten haben diese Kinder Polizeierfahrung und geraten häufig in Auseinandersetzungen. 

 

In solchen Familiengefügen werden Kinder überaus aufmerksam. Sie entwickeln einen sensiblen Spürsinn. Vieles erscheint dann bedrohlich, denn ein Kind weiß noch nicht, ob etwas wirklich für Sie, den Beschützer und dadurch für die Eltern und seinem Fortbestehen, gefährlich ist oder nicht. 

  

Aufklärung

Da Emotionen mehr oder weniger erfolgreich verdrängt wurden, gab es meist keine echte Auseinandersetzung über die Vergangenheit. Sofern keine Extremerlebnisse dagegen sprechen, ist ein objektives Gespräch, in dem die oben genannten Zusammenhänge erörtert werden, der erste Schritt. Es geht hierbei also um die Zusammenhänge zwischen Erlebten und Gefühlen.

 

Änderung der Gefühle und Gedanken

Alleine das kognitive Verständnis reicht nicht aus. Anstatt Abgrenzung muss Selbstvertrauen stehen und die Überzeugung, ein guter Mensch zu sein, auch wenn Sie mal nicht helfen können. Sie haben das Recht auf Ihre Meinung.

Die damit in Verbindung stehenden Gedanken werden verändert, Gefühle dürfen zugelassen werden.

 

Für mehr Informationen lesen Sie gerne auch meinen Blogbeitrag "Abgrenzung von anderen"

 

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