Schüchternheit verstehen und besiegen

Schüchternheit verstehen und besiegen

Schüchternheit zugeben - lieber nicht!

Eher verkriechen Sie sich oder spielen die aufopfernde, nimmermüde Rolle. Sie spüren die Anstrengung, die es kostet, auf Augenhöhe der anderen zu bleiben. Zumindest denken Sie, dass Sie das müssten. Weder der eine noch der andere Weg führt Sie zu Ihrem Glück.

Gefühle der Unsicherheit (Insuffizienz) werden häufig überkompensiert. Es sind diejenigen, die gerne im Mittelpunkt stehen, von einzigartigen Erlebnissen berichten, dabei aber jedes sensible Zeichen Ihrer Gegenüber, dass es allmählich genug wird, hartnäckig "überhören".

Sie leiden, weil:

  • Es ist anstrengend seine Gefühle zu verbergen
  • Es ist anstrengend seiner "Rolle" gerecht zu werden
  • Der Rolle des Perfekten, Guten, Fleißigen, Interessanten
  • Bloß keine Schwächen zeigen

Unsicherheit und Schüchternheit treibt Menschen dazu, ihre Emotionen zu Betäuben: Mit Alkohol, Einkaufen, Arbeitssucht oder auch mit: Helfen. Viele Personen, die altruistisch agieren, kompensieren dadurch das Gefühl eigener Unzulänglichkeit. Was bleibt ist aber die Angst vor Enttarnung. Das strengt an. Schauen wir mal, was Schüchternheit (Unzulänglichkeit) charakterisiert:

Die 10 Merkmale von Schüchternheit

  1. Angst davor, im Mittelpunkt zu stehen
  2. Angst vor negativer Bewertung
  3. Angst vor prüfenden Blicken
  4. fehlende Durchsetzungsfähigkeit
  5. die Überzeugung, unfähig zu sein
  6. eigenes Recht kann nicht eingefordert werden
  7. Angst, sich zu blamieren
  8. sie finden sich unattraktiv
  9. Sie möchten von anderen gemocht werden
  10. Sie spielen eine "Rolle"

Schüchternheit wirkt sich auf den Körper aus.

  • Die Körperhaltung ist nach Vorne gebeugt
  • es fällt schwer, anderen in die Augen zu schauen
  • noch schwerer fällt es, den Blick zu halten
  • die Stimme ist eher leise
  • es fehlt an Körperspannung
  • bei Überkompensation auch gegenteilige Symptome: Auffällig stramme und aufrechte Haltung, der Gang ist energisch, fast militärisch; in der Folge muskuläre Verspannungen

Hat man als Jugendlicher keine Wege gefunden, seine Unsicherheiten zu besiegen, kann sich eine Sozialphobie entwickeln.

Unter Erwachsenen leiden etwa 3-4% an einer Sozialphobie. Der Unterschied zwischen Schüchternheit und Sozialphobie ist die Stärke des Leidensdruck und die Fähigkeit, sein "Leben" im Griff" zu haben.

"Schüchternheit ist die Überzeugung, etwas nicht zu können und im Vergleich mit anderen schlechter dazustehen."

Können Sie sich noch erinnern? Im Kindergarten, in der Schule, an der Arbeit, in der Stadt mit Ihren Freunden: immer dasselbe. Sie dachten, dass Sie für Anerkennung etwas leisten müssten. Es fehlte an Mut, Durchsetzungsfähigkeit und Kraft. Sie rissen sich alle Beine aus und waren dennoch "dritte Wahl".

Das dachten Sie.

Aber das ist falsch.

Es ist nicht die Durchsetzungsfähigkeit, die uns die Kraft für etwas gibt, sondern unsere innere Einstellung. Die innere Einstellung ist von Gedankenmustern geprägt, als Kind gelernt, als Jugendlicher trainiert und als Erwachsener im Unterbewusstsein vergraben. Allerdings werden aufbauende Gedanken von unseren antrainierten Denkmustern konterkariert:

Sie kennen Gedanken, die Sie selbst sabotieren:

  • "ich kann das nicht"
  • "ich habe sowieso keine Chance"
  • "ich wusste es"
  • "die anderen sind besser"
  • "warum immer ich"
  • "ich bin ein Versager"

Hier mein Lösungsangebot gegen Unsicherheit und für mehr Mut:

VERÄNDERTE GEDANKEN!

Ihre abwertenden Gedanken tuen Ihnen nicht gut. Warum ersetzen Sie sie dann nicht durch Neue?

Sie fragen sich, wie Sie neue Gedanken erschaffen sollen, wo Sie doch schon so viel dafür getan haben: Sie kauften sich Selbsthilfebücher, lasen chinesische Weisheiten oder lernten Yoga. Dennoch blieb im Innersten der Grundgedanke: "Ich kann das nicht, die anderen sind besser, ich schaffe das nicht."

Was wäre denn so schlimm daran, Unzulänglichkeiten zuzugeben?

Was wäre so schlimm daran, wenn andere wüssten, dass Sie nicht interessant, toll, selbstbewusst sind? Gar nichts würde passieren, außer, dass Sie eine neue Form von Freiheit und Leichtigkeit kennen lernen würden. Sie dürfen Schwäche zeigen. Sie müssen nicht perfekt sein, ganz gleich, was Ihre Eltern zu Ihnen gesagt haben oder was Sie sich selbst einreden.

Wichtig ist Entwicklung, nicht Perfektion.

Sie kennen jetzt einen Teil der Lösung weg von Schüchternheit. Den nächsten Ansatz möchte ich mit einer Frage beginnen:

Warum können Sie laufen? Sie sind doch x Mal hingefallen! Als Kind wussten Sie noch nichts von Unsicherheit und standen immer wieder auf.

Aha,

zu den richtigen Gedanken kommt also noch Training und Wiederholung. Vielleicht bleibt noch Angst, trotz Lernens und trotz neuer Gedanken den gleichen Fehler wieder zu machen?

=> Wenn Sie immer denselben Fehler machen, dann ändern Sie Ihr Verhalten in diesen konkreten Situationen

Es wird immer zu Rückschlägen und Kritik kommen. Ohne Rückschläge, keine Entwicklung. Entweder ist Kritik gerechtfertigt, dann arbeiten Sie daran, diese Verhaltensweise zu ändern. Ist Kritik ungerechtfertigt, dann teilen Sie das Ihrem Gegenüber offen, ehrlich und objektiv mit.

Warum sollten Sie etwas gegen Schüchternheit unternehmen?

Sobald Sie durch übertriebene Rücksicht Nachteile in der Gesellschaft oder am Arbeitsplatz bekommen, sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Sozialangst hat die Eigenschaft zu Chronifizieren. Eine unbehandelte Sozialphobie kann zu Angststörungen, Agoraphobie und Depressionen führen. Ziehen Sie in Ihrem Interesse frühzeitig die Reißleine, fassen Sie Mut und suchen Sie sich Hilfe. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Ihnen der Ausgang einer Sache keine Angst mehr machen würde?

Spüren Sie die Kraft hinter dieser Einstellung?

Meine Vorgehensweise für mehr Mut und Leichtigkeit

Leichte Schüchternheit muss nicht behandelt werden, sie ist Teil Ihrer Persönlichkeit. Akzeptieren Sie Ihre Eigenschaften und leben Sie Ihr Leben. Andernfalls:

  • Gab es Ursachen, Erlebnisse, Verhalten von Bezugspersonen, die an Ihrer Integrität rüttelten, Sie in Frage stellten oder Sie abwerteten?
  • Wenn ja: Aufarbeitung der Gründe und Veränderung Ihrer Gedanken
  • Bestehen Loyalitäten zu Personen, die Sie herunterziehen oder an Ihrer Entwicklung hindern?
  • Wenn ja: Verarbeitung dieser Gedanken
  • Gibt es weitere Personen, Umstände, die Sie in Ihrer Entfaltung hindern?
  • Veränderung selbstblockierender Gedanken und der damit zusammenhängenden Gefühle
  • Übungen zum Öffnen ohne Angst
  • Erlernen von Strategien bei gerechtfertigter Kritik
Autor: Christoph Krüger, 2019
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