Sich abgrenzen können

Sich abgrenzen können

Was bedeutet das: Sich nicht Abgrenzen können?

Sich schlecht abgrenzen zu können bedeutet, dass Probleme und Anliegen Fremder zu eigenen Problemen gemacht werden. Ob aus Mitgefühl oder Hilfsbereitschaft, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass Personen, die angeben, sich schlecht abgrenzen zu können, emotional "gefangen sind". Sie übertragen die Sorgen des Gegenüber auf sich, bieten Lösungen und Hilfe an (ohne den anderen darum gebeten zu haben), Grübeln und fühlen sich schlecht, wenn keine schnelle Lösung in Sicht ist. Sie fühlen die Sorgen der anderen und was ist mit Ihren Sorgen und Wünschen?

Probleme, die entstehen können

Betroffene erkennen Ihre Verhaltensweisen lange nicht als Problem. Sie sind der Meinung, alles richtig zu machen, wenn Sie helfen und mitfühlen. Sie merken nicht, dass Ihre Hilfsbereitschaft mit der Zeit missbraucht wird. Für das Umfeld der "Immer-Erreichbare", der "Helfer" zu sein bedeutet zusätzlich einen großen Zeit- und Energieverbrauch, der zu Erschöpfung, Reizbarkeit bis hin zu Burnout (Erschöpfungsdepression) führen kann.

Da die Hilfsbereitschaft gelegentlich gar nicht erwünscht ist und entsprechend nicht gewürdigt wird, können sich Enttäuschung und Frust einstellen. Indem Sie sich anderen verpflichtet fühlen, binden Sie Ihr Selbstbild an diese Personen. Die anderen dienen quasi der Aufrechterhaltung Ihres Selbstwertes, Stolzes und Befriedigung. Es entsteht eine Abhängigkeit zu diesen Personen. In manchen Fällen entsteht bei den Anderen eine Co-Abhängigkeit gegenüber Ihnen. Der Verlust solcher Bindungen wird als elementar bedrohlich wahrgenommen. Es wird alles unternommen, um die Bindung aufrecht zu erhalten, denn dadurch behalten Sie Ihre Integrität.

Zusammenhänge

Wenn Kinder in jungen Jahren Vater- oder Mutterersatz waren, also in Rollen hineinschlüpften, die sie hinsichtlich ihres Alters überforderten, kann es zu einer "Rollenumkehr" kommen. Mädchen übernehmen die Rolle der Mutter, Söhne die Rolle des Vaters (Hausarbeiten verrichten, auf jüngere Geschwister aufpassen, etc). Letztlich sind es Tätigkeiten und Verantwortungen, die ein Kind überfordern.

Dies tritt häufig bei traumatisierten Eltern, bei Alkoholikern und psychisch kranken Elternteilen auf. Dem Kind wurde ein Stück unbeschwerter Kindheit genommen. Gleichzeitig entwickelt sich ein Muss-Gefühl, unentbehrlich zu sein, um das Familiengefüge zusammenzuhalten. Manche Kinder verlernen Ihre ureigenen Wünsche mitzuteilen. Diese Rolle ist schwer abzulegen und wird ins Erwachsenenalter übernommen. Das eigene Autonomiestreben wurde gestört oder mit Scham belegt. Man erlegt sich selbst die Bürde auf, eigene Bedürfnisse seien schlecht.

Ansatz

Zunächst ist Ihre Vergangenheit zu beleuchten, ob Phasen des Rollentausches stattgefunden haben. Die Energie des Lebens dürfen Sie für sich selbst nutzen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Mit dem Maß, wie Sie anderen Ihre Entscheidungen und Schwächen eingestehen, werden Sie Ihre eigenen Bedürfnisse fühlen lernen. Ein gesundes Maß an Egoismus ist auch für Sie gut und darf auch so wahrgenommen werden.

Botschaft:

"Du bist vollständig und genügst dir selbst. Dein Lebensumfeld ist aber auch vollständig und genügt sich; deine Rolle besteht darin, deine Arbeit mit Freude und Professionalität zu gestalten."

Autor: Christoph Krüger

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