Traumatherapie und Vergangenheitsbewältigung in Hagen

Ereignisse können uns überfordern. Schaffen wir es nicht, die Erlebnisse zu verarbeiten, können sich typische Symptome ausbilden, die man als “Trauma” bezeichnet.

Sie wurden in ihrer Kindheit und/oder Jugend nicht gut behandelt? In der Schule oder am Arbeitsplatz gab/gibt es Mobbing und es war/ist niemand da, der sie verstand und hinter ihnen stand? Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit kennen Sie zu Genüge? Man kann mit solcher Vergangenheit eine Zeit lang symptomfrei leben. Sie bemerken, dass sie Situationen meiden oder eine “Maske” aufsetzen, um sich nach Außen zu schützen.

Diesen Teufelskreis der Erinnerung, Verletzung, Schuld und Scham möchte ich durchbrechen mit einem ganzheitlichen und effektivem Therapiekonzept. Es gibt Wege raus aus alten Denkmustern, Schuldgefühlen und Vorwürfen. Das Ziel einer Traumatherapie ist, dass Sie wieder frei und gelassen vor Ihre Mitmenschen treten können, belastende Gefühle und Gedanken ablegen – und die Erlebnisse der Vergangenheit akzeptieren – ohne Schuld und Wut.

Traumata sind Verkörpert. Hieraus ergeben sich körperorientierte Symptome, wie Übererregung, Anspannung, Zittern. Eine Traumatherapie wird daher auch körpertherapeutische Werkzeuge einbeziehen, um auf diesem Wege den “Panzer” allmählich abzubauen; da er nicht mehr gebraucht wird. Dafür sind Vertrauen und das Gefühl von Sicherheit erforderlich.

Es ist möglich, mit EFT-Klopftherapie, einer modernen neuroaffektiven Therapie auch kürzlich stattgefundene traumatische Ereignisse (Unfälle, Gewaltandrohung, Einbruch) zu behandeln, so dass aktue Belastungsreaktionen verarbeitet werden und weitere Symptome verhindert werden können.

Typen von seelischen Traumatisierungen – Schock- und Entwicklungstrauma

Was ist ein Schocktrauma?

Schocktrauma, auch Trauma Typ 1 genannt, nennt man den Zustand nach einem Erlebnis, das unerwartet und übermächtig war und man dem Ereignis schutz- und hilflos ausgeliefert war. Im Vordergrund steht die Übermächtigkeit des Einmalerlebnisses. Ein Schocktrauma kann man nach Unfällen, Gewalttaten, Kriegshandlungen, Entführungen oder bereits beim Anschauen solcher Situationen entwickeln. Es ist jedoch ein Irrglaube, dass nur bei “schweren” Ereignissen ein Trauma entwickelt werden kann. Je nach Persönlichkeit können auch weit weniger drastische Ereignisse, wie z.B. Geburten, Umzüge, Entlassungen, die Übernahme von Verantwortung im Beruf oder auch der Verlust des Partners traumatisch wirken.

Die Symptome treten kurz nach dem Ereignis auf und sind unterschiedlich ausgeprägt:

  • Unruhe, Schlaflosigkeit
  • Flashbacks (Bilder des Geschehnisses vor Augen)
  • Intrusionen (plötzliche Wiedererleben  und Fühlen der Situation)
  • Angst
  • Schreckhaftigkeit
  • Isolation

Der Symptomenkomplex kurz nach einem solchen Ereignis ist die akute Belastungsreaktion (ABR). In vielen Fällen verschwinden die Symptome nach wenigen Wochen auch ohne therapeutische Hilfe, wenn ein stabiles soziales Netz besteht und es die Möglichkeit zum Reden gibt. Bleiben die Symptome bestehen, ist psychotherapeutische Unterstützung anzuraten, da die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) droht, die einen chronischen Verlauf nehmen kann. Eine unzureichende Verarbeitung kann in eine Anpassungsstörung münden.

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Diese als Trauma Typ 2 bezeichnete Störung wird während eines längeren Zeitraumes entwickelt (oft über mehrere Jahrzehnte):

  • das Aufwachsen in einem chaotischen Elternhaus ohne feste Regeln und Strukturen
  • das Aufwachsen in einem rigiden, strengen, gefühlskalten, direktivem Elternhaus
  • das Aufwachsen in einem Elternhaus, in dem oft und heftig gestritten wird
  • wenn Gefühle des Kindes falsch gespiegelt oder gedeutet werden oder nicht ernst genommen werden
  • nach körperlicher Misshandlung, Schlägen, Vergewaltigungen
  • bei selbst psychisch kranken Eltern, meist depressiven oder emotional-instabilen Eltern
  • das Aufwachsen bei alkoholkranken Eltern (hier entwickelt sich später oft Scham)
  • lang anhaltendes Mobbing
  • als Kind häufig wechselnde Bezugspersonen oder Wechsel von Wohnorten
  • bei einer unerkannten Persönlichkeitsstörung oder tiefgreifenden Entwicklungsstörung (Asperger-Autismus oder andere Autismusspektrumstörungen) , die dem Kind das Gefühl geben, nicht richtig zu sein, da die Ursache nicht diagnostiziert wurde.

Die Liste ist unvollständig.

Entwicklungstraumata können bei allen länger andauernden Situationen entstehen, in denen ein Kind sich entweder selbst schützen muss, Angst vor Gefahren hat, diktatorischen Erziehungsmustern ausgeliefert ist und die Überzeugung entwickelt, nicht gut genug, nicht richtig genug, zu unwichtig zu sein – nicht gewollt zu sein.

Eine etwas andere Begriffsdefinition beschreibt die Ursache für ein Entwicklungstrauma, wenn sich ein Kind auf Grund unpassender Umgebung nicht altersgemäß entwickeln kann, seine Autonomie beschnitten wird und Versuche des Kindes darauf zu reagieren unzureichend beachtet werden oder sich gar elterlicherseits darüber lustig gemacht wird. Man spricht hier auch von Rollentausch, wenn ein Kind zu früh elterliche Verantwortung übernimmt. Das Kind übernimmt die Rolle allerdings unbewusst aus Angst, dass ohne seine Hilfe den Geschwistern etwas passieren könne oder die Eltern sich trennen würden.

Die im Kind entstehenden Schmerzen und die damit zusammenhängenden inneren Verletzungen sind erheblich und wirken fort.

Als Schutzmechanismus wird das verletzte Kind rebellisch oder still. Versuche des unterdrückten Kindes nach Autonomie und Liebe führen zu keiner Verbesserung. Es entwickelt sich die tiefgreifende Überzeugung nicht gut genug zu sein, Angst, Scham und Schuldgefühle.

Wir finden in oppositionell verhaltenden Schulkindern überproportional Kinder und Jugendliche, die bereits traumatisiert sind und in “kranken” Familiensystemen aufwachsen.

Evolutionsbiologisch besitzen wir die Fähigkeit, bestimmte Emotionen abzuspalten. Ist die Not groß genug wird es diese Fähigkeit nutzen, um weniger Schmerz zu fühlen. Bleiben Verdrängung und Abspaltung weiter bestehen, entwickeln sich Symptome. Zudem werden seelische Verletzungen und Angst “verkörpert”. Dieses Phänomen kennen wir, wenn wir erschrocken werden:

Die normale Reaktion wäre ein kurzes Innehalten und danach Beobachten der Ursachen des Auslösers. Im Falle einer Verkörperung verdrängter Angst bleiben Betroffene starr und sind nicht in der Lage sich zu orientieren. Die Phase der Entspannung dauert wesentlich länger, Restverspannungen verbleiben im Körper. In der Folge Muskelverspannungen und andere psychosomatische Beschwerden.

Symptome des verletzten Kindes beim Erwachsenen (nach Entwicklungstrauma)

  • diffuse Traurigkeit (wird fälschlicherweise als isolierte Depression interpretiert, in Wahrheit aber Folge der immer noch geglaubten Ungeliebtheit und Trauer über verpasste Kindheit, freilich unbewusst)
  • Selbstzweifel, Selbstwertprobleme
  • alle Formen von Ängsten und Phobien ( Emetophobie, Sozialphobie, Agoraphobie, Panikstörung, etc.)
  • Depressionen
  • Persönlichkeitsstörungen (vor allem die narzisstische PS (als Ergebnis von Überkompensation), die unsichere und emotional-instabile (Borderline) PS oder abgeschwächte Varianten davon
  • Probleme in der Bindungsfähigkeit mit Misstrauen
  • Probleme in der sozialen Interaktion mit fremden Menschen

Bei der Mehrheit der Betroffenen entsteht eine Emotionsüberflutung bei Konfrontation mit Ereignissen, die an die verdrängten Anteile erinnern (Trigger). Solche Situationen werden gemieden. Für die Betroffenen ist das Leben anstrengend und wird als Kampf wahrgenommen. In Folge rasche Ermüdbarkeit und Erschöpfung. Das Immunsystem leidet durch die Daueranspannung.

Dieser Teufelskreis ist freilich unbewusst. Betroffene haben Angst vor Konfrontation mit den verletzenden Gefühlen. Die Wahrnehmung von Hilf- und Schutzlosigkeit wird so empfunden, wie als Kind.

In die Praxis kommen Betroffenen erst spät, wenn frühere Versuche nichts gebracht haben. Antidepressiva und Beruhigungsmittel bringen kaum die erhoffte Wirkung. Für einen langfristigen Erfolg ist der  Aufbau sozialer Netzwerke sinnvoll, leichter Ausdauersport, eine Reduzierung des Medienkonsums und der Aufenthalt in der Natur (vor Allem im Wald).

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Weitere Artikel:

Verhalten bei Panikattacken und Heilung des inneren Kindes

Autor: Christoph Krüger (c)

Mutter tröstet Kind
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