Traumatherapie

Wenn die Seele mit der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat

Manche Ereignisse können uns überfordern. Schaffen wir es nicht das Erlebte zu verarbeiten, können sich seelische und körperliche Symptome ausbilden, die man als “Trauma” bezeichnet.

Die Liste möglicher traumatisierend wirkender Ereignisse ist unendlich. Es sind Situationen, die in Ihnen ein tiefgreifendes Gefühl der Ohnmacht, Angst, Schuld oder Kleinheit erzeugt haben und auf die sie keine adäquaten Lösungsstrategien besaßen. Man kann so eine Zeit lang symptomfrei leben. Sie bemerken aber irgendwann, dass sie bestimmte Situationen mehr und mehr meiden, Symptome von Unruhe, Angst oder Depressionen wahrnehmen und eine “Rolle” spielen – sie agieren nicht authentisch.

Der Teufelskreis aus Erinnerung und seelischer Verletzung kann durchbrochen werden. Ich setze dafür ein ganzheitliches Therapiekonzept ein. Wir erlernen Wege raus aus selbstsabotierenden Denkmustern und Schuldgefühlen. Ziel einer Traumatherapie ist es,  die Vergangenheit zu überwinden oder zu akzeptieren – ohne Gefühlsüberflutung und Traurigkeit.

Traumata werden Verkörpert, wenn sie nicht verarbeitet werden. Es entstehen körperorientierte Symptome, wie muskuläre Verspannungen, Schwindel, Kopfdruck und vor allem: innere Unruhe.

Schocktrauma

Schocktrauma, auch Trauma Typ 1 genannt, nennt man den Zustand nach einem Erlebnis, das unerwartet und übermächtig war und man dem Ereignis schutz- und hilflos ausgeliefert war. Im Vordergrund steht die Übermächtigkeit des Einmalerlebnisses. Ein Schocktrauma kann man nach Unfällen, Gewalttaten, Kriegshandlungen, Misshandlungen oder bereits beim Anschauen solcher Situationen entwickeln. Es ist ein Irrglaube, dass nur bei “schweren” Ereignissen ein Trauma entwickelt werden kann. Je nach Persönlichkeit können auch weniger drastische Ereignisse, wie Geburten, Umzüge, Entlassungen, die Übernahme von Verantwortung im Beruf oder auch der Verlust des Partners traumatisch wirken und eine Posttraumatische Belastungsreaktion hervorrufen.

Die Symptome treten kurz nach dem Ereignis auf und sind unterschiedlich ausgeprägt:

  • Unruhe, Schlaflosigkeit, Alpträume
  • Flashbacks (Bilder des Geschehnisses vor Augen)
  • Intrusionen (plötzliche Wiedererleben  und Fühlen der Situation)
  • Angst
  • Schreckhaftigkeit
  • Isolation

Je rascher nach dem Ereignis mit einer Therapie begonnen wird, umso besser und schneller können Symptome verarbeitet werden. Stabile soziale Netze, Mitmenschen zum Reden und persönliche Resilienz wirken sich positiv auf den Verlauf aus.

Entwicklungstrauma – Bindungstrauma

Diese als Trauma Typ 2 bezeichnete Störung wird während eines längeren Zeitraumes entwickelt (oft über mehrere Jahrzehnte):

  • das Aufwachsen in einem chaotischen Elternhaus ohne feste Regeln und Strukturen
  • das Aufwachsen in einem rigiden, strengen, gefühlskalten Elternhaus
  • das Aufwachsen in einem Elternhaus, in dem oft und heftig gestritten wird
  • wenn Gefühle des Kindes falsch gespiegelt oder gedeutet werden oder nicht ernst genommen werden
  • nach Misshandlung
  • bei selbst psychisch kranken Eltern, meist depressiven oder emotional-instabilen Eltern
  • das Aufwachsen bei alkoholkranken Eltern (hier entwickelt sich später oft Scham)
  • als Kind häufig wechselnde Bezugspersonen oder Wechsel von Wohnorten
  • bei einer unerkannten Persönlichkeitsstörung oder tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die dem Kind das Gefühl geben, nicht richtig zu sein, da die Ursache nicht diagnostiziert wurde

Entwicklungstraumata entstehen, wenn ein Kind sich entweder selbst schützen muss, Angst vor Gefahren hat, diktatorischen Erziehungsmustern ausgeliefert ist und die Überzeugung entwickelt, nicht gut genug, nicht richtig genug, zu unwichtig zu sein – nicht gewollt zu sein.

Eine etwas andere Begriffsdefinition beschreibt die Ursache für ein Entwicklungstrauma, wenn sich ein Kind auf Grund unpassender Umgebung nicht altersgemäß entwickeln kann, seine Autonomie beschnitten wird und Versuche des Kindes darauf zu reagieren unzureichend beachtet werden oder sich gar elterlicherseits darüber lustig gemacht wird. Man spricht hier auch von Rollentausch, wenn ein Kind zu früh elterliche Verantwortung übernimmt. Das Kind übernimmt die Rolle allerdings unbewusst aus Angst, dass ohne seine Hilfe den Geschwistern etwas passieren könne oder die Eltern sich trennen würden.

Die im Kind entstehenden Schmerzen und die damit zusammenhängenden inneren Verletzungen sind erheblich.

Als Schutzmechanismus wird das verletzte Kind rebellisch oder isoliert sich. Es entwickelt sich die tiefgreifende Überzeugung nicht gut genug zu sein, später treten Angst, Scham, Schuldgefühle, Essstörungen auf.

Evolutionsbiologisch besitzen wir die Fähigkeit, bedrohliche Emotionen abzuspalten. Bleiben Verdrängung und Abspaltung weiter bestehen, entwickeln sich Symptome. Zudem werden seelische Verletzungen und Angst “verkörpert”. Dieses Phänomen kennen wir, wenn wir erschrocken werden:

Die normale Reaktion wäre ein kurzes Innehalten und danach Beobachten der Ursachen des Auslösers. Im Falle einer Verkörperung verdrängter Angst bleiben Betroffene starr und sind nicht in der Lage sich zu orientieren. Die Phase der Entspannung dauert wesentlich länger, Restverspannungen verbleiben im Körper.

Symptome des verletzten Kindes beim Erwachsenen

  • diffuse Traurigkeit, Depressionen
  • Selbstwertprobleme
  • alle Formen von Ängsten und Phobien ( Emetophobie, Sozialphobie, Agoraphobie, Panikstörung, etc.)
  • Essstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen oder abgeschwächte Varianten davon
  • Probleme in der sozialen interaktion und mit emotionalen Situationen

Für traumatisierte Erwachsene wird das Leben anstrengend und als Kampf wahrgenommen. In Folge rasche Ermüdbarkeit und Erschöpfung. Das Immunsystem leidet durch die Daueranspannung.

Für einen langfristigen Erfolg ist neben traumatherapeutischer Hilfe der Aufbau sozialer Netzwerke sinnvoll, Fitness, eine Reduzierung des Medienkonsums und der Aufenthalt in der Natur (vor Allem im Wald).

Innerhalb einer Traumatherapie werden wir gemeinsam nach Ursachen Ihrer Symptome forschen und – falls vorhanden – schmerzvolle Erinnerungen nachträglich verarbeiten. Der Aufbau einer positiven Lebenseinstellung und eines positiven Selbstbildes. Lesen Sie hierzu auch meine Kurzartikel:

Verhalten bei Panikattacken und Heilung des inneren Kindes

 

 

Mutter tröstet Kind
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