Frau mit Zwangsgedanken

Psychotherapie bei Zwangsstörungen

Noch Ritual oder schon Zwang

Um Zwangsgedanken loszuwerden, sollte man den tieferen Sinn von Zwängen verstehen. Der Unterschied zwischen normalen Ritualen und krankhaften Zwängen besteht darin, dass normale Rituale in der Regel freiwillig und angenehm sind. Sie können dazu beitragen, unser Leben zu organisieren und uns ein Gefühl von Kontrolle zu geben. Zum Beispiel können Rituale wie Zähneputzen vor dem Schlafengehen oder das tägliche Sportprogramm positiv für unser Wohlbefinden sein. Sie engen nicht ein und erzeugen keinen Leidensdruck. Im Gegensatz dazu sind krankhafte Zwänge unwillkürlich, belastend und störend.

Es sei gesagt, dass Zwangshandlungen (wie sehr häufiges Händewaschen, Kontrollzwang, Ordnungszwang, Zählzwang, etc.) in der Regel eine Folge von unterdrückten Zwangsgedanken sind. Umso besser ist es, so früh wie möglich bei dem Verdacht auf „seltsame“ Gedanken diese abklären zu lassen.

Was sind Zwangsgedanken?

Zwangsgedanken können sehr belastend sein. Es handelt sich dabei um ungewollte Gedanken oder Impulse, die immer wiederkehren und oft als irrational oder unangemessen empfunden werden. Die Betroffenen können diese Gedanken nicht kontrollieren und fühlen sich dadurch machtlos und allein. Oft haben sie Angst, dass sie aufgrund ihrer Gedanken etwas Schreckliches tun werden, obwohl sie dies gar nicht wollen. Dies kann zu einem Teufelskreis aus Schuldgefühlen und Ängsten führen, der die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Obwohl sich die Betroffenen oft bewusst sind, dass ihre Gedanken irrational sind, können sie diese dennoch nicht kontrollieren. Sie fühlen sich oft hilflos und allein in ihrem Kampf gegen die Gedanken. Scham und Schuld entstehen häufig. Die meisten Zwangsgedanken kreisen um die Themen Sexualität, Moral, Gewalt oder jemanden (unabsichtlich) zu verletzen.

Üblicherweise werden diese Gedanken verdrängt, solange, bis die Ängste und Schuldgefühle so stark werden, dass man erkennt, Hilfe zu brauchen. Verdrängung ist nie gut, denn dann wird die Erwartungsangst noch größer, trotz Vorkehrungen, Ablenkungen (z.B. durch Zwangshandlungen) dennoch mit den belastenden Gedanken konfrontiert zu werden.

Zwangsgedanken loswerden – aber wie?

Bei Zwangsgedanken gibt es mittlerweile erprobte Verfahren, mit denen der Leidensdruck und der „Zwang“ bestimmte Dinge zu denken gelindert und behandelt werden.

Die „Methode der Wahl“ ist die kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere die Exposition mit Reaktionsverhinderung. Dabei lernen Sie, wie sie ihre Gedanken identifizieren und verändern können. Sie lernen auch, wie sie mit ihren Ängsten umgehen und sich auf neue geänderte Werte und Ziele konzentrieren können, um ihre negativen Gedanken zu reduzieren und durch positivere Gedanken zu ersetzen. Bei der Exposition werden Sie gezielt mit den angstauslösenden Gedanken konfrontiert, ohne die gewöhnlichen Maßnahmen zur Angstverdrängung auszuüben.

Eine weitere Technik ist die „Klopftherapie“. Dabei werden bestimmte Akupressurpunkte geklopft, während gleichzeitig bestimmte Sätze, die mit dem Problem in Verbindung stehen, wiederholt werden. Diese Technik kann dazu beitragen, dass sich der Körper und Geist entspannen und der Inhalt des Satzes an Bedeutung verliert.

Die letzte Gruppe der Therapiewerkzeuge bei Zwangsgedanken möchte ich unter dem Stichwort „Paradoxe Interventionen“ zusammenfassen. Hierbei werden die Betroffenen dazu aufgefordert, ihre Gedanken absichtlich maßlos zu verstärken oder zu provozieren. Dies kann dazu beitragen, dass die Betroffenen erkennen, dass ihre Gedanken oft irrational sind und somit die Stärke der Gedanken verringert wird. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, durch beruhigende Sätze, die positiv formuliert sind und immer einen guten Ausgang haben zu imaginieren.

Sollten Sie von Zwangsgedanken betroffen sein, seien Sie gewiss: Sie sind nicht „verrückt“. Ihr Gehirn arbeitet bestens; nur eben seit Jahren durch übertriebene Gedanken trainiert. Das Gehirn kann aber durch das Trainieren neuer Gedanken, am besten mit allen Sinnen, die einst übertriebenen Gedanken umändern.

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